Ich kann es kaum fassen, dass ich wirklich einen Kater habe, nachdem ich gestern Abend nur ein einziges „Kingfisher Strong Beer“ getrunken habe. Es liegt wahrscheinlich daran, dass ich seit Monaten kein Bier konsumiert habe und unter hohen Temperaturen Alkohol eine stärkere Wirkung hat.
Ich habe es mal wieder versucht mich mit Engländern zu unterhalten, aber mic him Endeffekt nur mit einer Australerin, polnischer Abstammung, unterhalten Der Unterschied zwischen der australischen und der englischen Mentalität ist riesig und die Australerin formulierte sehr treffend: „Yeah, they are British“ Who else would send all their prisoners to paradise and stay on a small, rainy island?“ (Jupp, das sind die Engländer! Wer sonst würde seine Gefangenen ins Paradies schicken und auf einer kleinen, regnerischen Insel bleiben?) Mehr möchte ich dazu auch nicht mehr meinem Blog und vor allem euch antun.
Ich hatte heute nicht die Geduld zu trampen und entschied mich einen Bus nach Palolem, laut Reiseführer der paradiesischte Ort in Goa, zu nehmen, um mich dort zu entscheiden, ob ich noch mehr von Goa bzw. EuroGoa sehen möchte. Leider gab es um 9 Uhr keine Direktbus mehr, was für mich 5x umsteigen bedeutete. Im Nachhinein hätte ich vielleicht doch trampen sollen und wäre fürer hier angekommen.
Ich bin jetzt in Palolem und habe noch ein wenig Suche ein Zimmer für 150 Rs gefunden, was hier im hippen Goa schon recht günstig ist. Es ist Hauptsaison hier und sie versuchen Holzhütten für über 200 Rs zu vermieten. Als ich zum Strand ging, musst ich an zahllosen Stränden vorbei, die im Endeffekt ein Stand mit enormer Wiederholung waren. Auf dem Strand angekommen, sah ich all die Sonnenverbrannten wie sie minutiös jeden Quadratzentimeter des Strandes bedecken. Paradies habe ich mir anders vorgestellt. Mit ein bißchen Phantasie war dieser Ort vor 20 Jahren bestimmt paradiesisch mit seinen grünen Palmen an der Küstenlinie, dem weißen Sandstrand und dem tiefblauen Meer.
Ich glaube, dass ich mit der falschen Erwartungshaltung nach Goa gefahren bin und mich nur schwer umstellen könnte, was ich aber eigentlich auch gar nicht will.
Mein Blick in die Speisekarten hier verschlägt mir bei den Preisen den Appetit. Das gute und günstige Thali suche ich hier vergebens und mss wohl doch mal tiefer in die Tasche greifen. Zum Vergleichen: ich habe in Mysore für einen Fruchtsalad 5 Rs bezahlt und hier verlangen sie 50 Rs!
Es ist auch eine Seite Indiens, die ich erfahren habe und nicht weiter erkunden möchte, daher habe ich den Entschluß gefällt so schnell wie möglich nach Süden zu reisen. Adios Goa and welcome back India.
Tuesday, 8 January 2008
Kater und Abschied mit Freude
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Monday, 7 January 2008
Danbarkeit, Abschied und Bratwurst bidde!
Ich bin von Mysore aus wieder zurück nach Bangalore getrampt und habe einerlei kurioses erlebt. Zunächst musste ich die Hauptstraße nach Bangalore finden und bin bis zur Stadtgrenze gelaufen. Zwischendurch haben mich ein Autofahrer und ein Motorradfahrer bis zur nächsten Bushaltestelle mitgenommen. Es fuhren extrem viele Busse nach Bangalore an mir vorbei, die ich aber nicht nehmen wollte. Ich untertreibe eher, wenn ich schreibe, dass alle 5 min ein Bus nach Bangalore an mir vorbei fuhr. Ihr könnt euch selber ausrechnen wie viele Busse es sind, unter der Annahme, dass in der Nacht jede Stunde ein Bus fährt!
An der Stadtgrenze hat mich dann ein Traktor aufgegabelt und 15 km näher an Bangalore gebracht. Der Traktorfahrer fuhr auf der Autobahn konstant auf der Überholspur und mir stockte der Atem, als er auch noch anhielt, um einem Mann auf der anderen Straßenseite zu zuwinken und etwas zu deuten. Dieser schwang sich einen Zementsack über die Schulter und bugsierte diesen auf die Ladefläche des Traktors. Der Traktorfahrer fuhr diese Strecke jeden Tag 10x, um Sand aus Srirangapatnam nach Mysore zu transportieren. In Srirangapatnam angekommen, musste ich eine halbe Ewigkeit auf meine nächste Mitfahrgelegenheit warten, die letztendlich ein rasender Kleintransporter war, mit dem ich zu fünft in der Fahrerkabine Richtung Vorstadt von Bangalore fuhr. Der ganze Trip hat mich nur 44 Rs (80ct) gekostet, was so gar nicht im Verhältnis zur Rikscha steht, die ich zu Roopas Haus bezahlen musste. Der Rikschafahrer kannte sich offensichtlich nicht aus und präsentierte mir eine Rechnung von 150 Rs, die ich jedoch ablehnte. Letztendlich endete ich die Verhandlungen bei 100 Rs, da ich keine Lust mehr zum Feilschen hatte.
Ich aß ein spätes Mittag gemeinsam mit Roopa und nahm zum letzten Mal Abschied von ihr, weil sich unsere Wege vermutlich nicht die nächsten zwei Jahre kreuzen werden. Ich bin ihr sehr dankbar, da ich ohne sie Indien niemals so erlebt hätte, wie ich es in den letzten Monaten erfahren habe. Ich habe sie nach Berlin eingeladen und würde gern diese erstaunliche und selbstlose Gastfreundlichkeit einen Teil ihrer Erfahrung werden lassen.
Am späten Abend bin ich gemeinsam mit Pratap und Rajith, die ich zu einem Kurztrip zu den Jogwasserfällen überreden konnte, in den Nachtbus nach Sagar gestiegen, Die Jogfälle sind waren erstaunlich wenig frequentiert, obwohl es die höchsten Wasserfälle Indiens sind. Es war unbeschreiblich schön, und auch ein ein wenig beängstigend, sich über einen Felsvorsprung zu legen und direkt ins Tal zu blicken. Mir kamen Überlegungen wie: „Was wäre, wenn es jetzt knacken und ich in den Abgrund sausen würde?“ in den Kopf. Trotz meiner schwindenden Höhenangst durch die Dachkonstruktion im Youth Center in Auroville, bin ich immernoch nicht ganz frei von Angst und hab mich auch nur kurz auf dem Felsvorsprung Aufgehalten.
Mit dem Erreichen des Zenits wurde die Sonne immer heißer und mein Sprung unter den Wasserfall gab mir die nötige Erfrischung und eine wunderbare Kopfmassage. Wir blieben bis zum späten Nachmittag und fuhren mit dem Linienbus nach Sagar zurück, um dort den nahe liegenden Tempel zu besuchen. Der Tempel lag zwischen Palmen, zwei kleinen Teichen und erleuchtete in einem wunderbaren Abendrot. Die Schatten verstärkten die Verzierungen des Tempels und schufen eine sehr schöne Atmosphäre in der ich den Sonnenuntergang mit Patrap und Rajith gemeinsam genoss.
Nach einer Nacht auf dem Busbahnhof, da ich keinen passenden Anschlussbus mehr gefunden habe, bin ich jetzt in Gokarna angekommen und werde von der Touristenansammlung hier erschlagen. Laut meinem Reiseführer sollen hier weniger Touristen sein und dementsprechend auch gemütlicher als in Goa sein. Ich hoffe, dass mein Reiseführer unrecht behält, da ich sonst in Goa keine Inder und indische Kultur mehr finden werden. Nichtsdestotrotz ist es hier sehr paradiesisch mit den feinen Sandstränden, blauem Meer, phantastischem Sonnenschein und blauem Himmel.
An mir ziehen nicht nur Ströme von Touristen vorbei, sondern auch Massen von schwarz gekleideten Pilgern. Ihr Ritual ist es sich vorher im Meer zu waschen, was sie von einigen Sünden befreit, und dann zu den zwei Tempeln zu pilgern, um dort ihre Absolution für weiter kleine Sünde zu erhalten. Es existiert hier ein Schrein, der nur alle 40 Jahre geöffnet und der Öffentlichkeit zugängig gemacht wird, weil er es jedem Hindu ermöglichen soll sich von allen Sünden rein zu waschen, sogar von der Tötung eines Brahmin! Es ist schon sehr belustigend, wenn gar erschreckend, zu sehen, wie eine Frau ohne Büstenhalter (sehr sichtbar unter dem knappen Shirt!!) neben den Pilgern durch die Gassen stolziert. Als Folge dieses rücksichtslosen Verhaltens, sind in der Stadt Schilder mit Hinweisen, wie Frau/Mann/Mensch sich bitte kleiden soll, aufgestellt und der Zutritt zu einem der Tempel ist sogar völlig untersagt.
Für mich zeigt sich hier deutlich, wie wenig solche Menschen sich mit ihrer Umgebung und der fremden Kultur auseinander setzen. Demnächst heißt es nicht mehr wir fahren zum „Ballermann“, sondern auf zum „Gokarmann“ und dem Gastwirt zum Nandi (heiliger Bulle Shivas) serviert die Bratwurst á la amma (Tamilisch Mutter).
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Thursday, 3 January 2008
Indien fuer Fortgeschrittene
Ich fühle mich glücklich, weil ich euch in meinem Herzen habe und bin sehr dankbar für die Erfahrungen, die ich hier machen darf. Nach über 3 Monaten Indien habe ich das Gefühl, dass ich mich natürlich durch die Straßen bewege, weil ich ihre Gesetze und Macken kenne. Mein Körper hat sich auch den Gegebenheiten angepasst und sondert bei 30 °C im Schatten nicht mal mehr Schweiß ab. Mein Tagesbudget habe ich fast auf 200 Rs (4€) reduziert, weil ich die westlichen Restaurants konstant gemieden habe, fast nur gelaufen bin, gut feilsche und mich genauso wie alle Nichttouristen ;-) ernähre. Die etwas einseitige Kost von Thali (Reis mit verschiedenen Soßen und Joghurt) am Morgen, Mittag und Abend, versuche ich mit viel Obst zu kompensieren, was mir bei dem schieren Angebot an frischem Obst keine Schwierigkeiten bereitet. Ich komme mir manchmal ein bißchen geizig vor, wenn ich um 5 Rs für einen üppigen Fruchtsalat, bestehend aus saftig orangefarbener Papaya und süßlich gelber Annanas, feilsche. Es geht weniger um das Geld, sondern vielmehr um die Tatsache, dass ich die Preise langsam kenne und die Verkäufer mich nicht mehr grinsend verarschen können. Vielleicht ändert sich mein Feilschverhalten wieder in ein paar Wochen, wenn ich das Feilschen überdrüßig geworden bin. Ich verfolge zur Zeit eine sehr erfolgreiche Verhandlungstaktik, die eigentlich gar nicht auf verhandeln beruht, sondern viel mehr den Verkaufsmenschen oder Ticketschalterbürokraten vor vollendete Tatsachen stellt, da ich ihnen einfach so viel Geld, dem vermuteten Wert entsprechend, in die Hand drücke, ohne nach dem Preis zu fragen. Das hat heute so gut funktioniert, dass ich 8 Banannen für 5 Rs (10 ct) und alle meine kleinen Zwischensnacks wie Gurken und Samosa für unter 2 Rs (3ct) bekommen habe. Der Höhepunkt meiner Verhandlungen war am Schalter des Maharaja Palastes, an dem Einheimische 20Rs, Studenten 10Rs und Touristen 100Rs bezahlen sollten. Dreist wie ich bin, habe ich es erst mit Student für 10 Rs versucht, aber leider wollte der Ticketbürokrat mir das nicht abkaufen und verlangte 10Rs mehr. Ich lächelte sehr erfreut und gab ihm weitere 10 Rs. Mit einem leicht mulmigen Gefühl ging ich durch das Tor, weil ich nicht wußte, ob die Ticketkontrolleure mich auch als Einheimischen einstufen würden. Es ist aber alles gutgegangen und ich habe fast mein halbes Tagesbudget gespart. Der Palast war extrem prunkvoll, einerseits sehr schöne Ornamente und Fenstermalereien, andererseits sehr überladen, was wahrscheinlich daran liegt, dass der Palast um 1900 gebaut wurde und eine Mischung aus indischer ,islamischer und europäischer Architektur und Kunst ist. Ich bin mehr oder weniger schnell durch den Palast gelaufen, um dem Touristenpulk zu entfliehen.
Ich war vorher im Jaganmohan Palast, der viel weniger frequentiert, aber wesentlich mehr inspirierend, war. Er war früher ein Rückzugspunkt für die königliche Familie und beinhaltet heute eine Kunstgalerie, deren Exponate mir sehr gefielen. Wenn ihr Zeit habt, sucht mal nach „Glow of hope“ von Haldenkar und „Night“ von Gogendranath Tagore. Letzterer hat noch mehr Studien („Morning“, „Brothers Letter“, „Curiosity“, „The Steps“) zu Licht gezeichnet, die ich absolut faszinierend fand. Nach soviel inspirierender Kunst und Architektur habe ich mich selbst an ein paar Bleistiftskizzen versucht und die Freude am Zeichnen entdeckt. Es ist schon komisch, dass ich früher nie gezeichnet habe, weil ich mich nicht gut genug fühlte, aber jetzt zeichne ich, weil es mir Spaß macht und es meine Sicht auf die Welt bereichert.
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Wednesday, 2 January 2008
Wechsel ohne Umbruch
Ich sitze auf dem Chamundi Berg und genieße die Aussicht auf Mysore in der Mittagssonne.l Er ist einer der 8 heiligen Berge Indiens und wird dementsprechend stark bepilgert. Auf der Spitze stehen mehrere Tempel, wovon der Haupttempel das Zentrum bildet. Möchte der Besucher durch den Haupteingang den Tempel betreten, was alle Pilger wollen, muss er 100 Rs, statt der 20 Rs für den Nebeneingang, berappen. Es werden also nicht nur Touristen, sondern auch die eigene Bevölkerung abgezockt.
Ich bin gestern gemeinsam mit Pratap und Roopa nach Mysore gekommen, um mir die Stadt aus ihrer Sicht anzuschauen. Es war eine Flut von neuen und bekannten Eindrücken, die mich manisch durch die Straßen laufen und photographieren ließ. Mysore ist eine wunderbare, nicht ganz so chaotische Stadt, um in den kleinen Gassen und auf den Märkten herum zu schlendern. Touristenattraktionen gibt es hier nur wenige, aber das Leben auf den Straßen ist aufregend und zeigt mir Indien in einer viel schöneren, bunten und intensiveren Form. Ich stelle hier wieder fest, dass ich in Auroville wie auf einer Insel gelebt habe, auf der einige wenige Einflüsse Indiens zur Insel rüberschwappen und die Inselbewohner sich der Festlandmenschen bewusst sind. Aber wenn ich Indien stärker erfahren möchte, muss ich durch das Meer schwimmen und wieder zurück auf das Festland kehren.
Soweit ich mich an meine vergangenen Neujahreswechsel erinnern kann, hatte das ruhigste Neujahr meines Lebens, dass sich auch nicht als Jahreswechesel anfühlte. Sonst ziehe ich ein Resumé des vergangeen Jahres und schlage die neue Seite für das nächste Jahr auf, aber hier in Indien und auf Reisen ist die Seite nur halb gefüllt und lässt sich nicht ins Jahresraster pressen. Ich habe auch bemerkt, dass Zeit für mich viel weniger eine Rolle spielt als zuvor, da nicht die quantitave Erfahrung, sondern die qualitative Erfahrung für mich wichtig ist. Sicherlich streben wir alle dannach, aber es wird mir im hier und jetzt viel bewußter. Ich habe mein Neujahr im Zimmer von Pratap verbracht, der noch vor Mitternacht ins Bett ging und mich meine Telefonate neben seinem Schnarchen führen ließ. Sowohl Roopa, als auch Pratap feiern kein Silvester, da sie nicht dem Sonnenkalender folgen.
Mich hat gerae ein Polizist von meinem Felsen verscheucht, da es zu gefährlich sei hier zu sitzen. Ich stehe seiner Hilfsbereitschaft sehr skeptisch gegenüber, da ich die Erfahrung gemacht habe, dass uniformierte Menschen in Indien sehr gern ihren authoritären Gelüsten fröhnen. Dies artet teilweise in hemmungsloser Gewaltausübung aus, was mir zum Glück noch nicht selbst wiederfahren ist.
Da ich mich in einem anderen Kulturkreis befinde und keinen unnötigen Konflikt wünsche, packe ich also meine Sachen und schlendere den Berg wieder runter. Auf dem Weg in die Stadt hab ich mich wieder per Anhalter mitnehmen lassen. Ich hätte das viel früher ausprobieren sollen, dann hätte ich nicht nur Geld gespart, sondern wäre ein paar Erfahrungen reicher. Als Daumenregel kann ich sagen, dass Kleinwagenfahrer sehr gut Englisch sprechen, da sie eine gute Bildung haben oder sehr viel Kontakt mit Touristen haben. Beides ist eine Vorraussetzung um in Indien, aber auch in der ganzen Welt, einen gewissen Reichtum zu erlangen. Meine Mitfahrgelegenheit war Immobilienmakler in Mysore, der sich eine goldene Nase verdient, seit sich Bangalore zum indischen Silicon Valley entwickelt hat. Viele Firmen und deren Angestellte kaufen sich in Mysore Häuser, um sich vom gestressten Bangaloreleben zu erholen.
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Tuesday, 1 January 2008
Auf in das Unbekannte
Ich bin wieder auf Reisen und spüre die Euphorie in mir emporsteigen. Es war schön an einem Ort zu verweilen und ein geregeltes „Altagsleben“ zu haben, aber jetzt fühle ich wieder den Drang, Unbekanntes zu entdecken und zu erfahren.
Meine erste Station ist wieder das mir bekannte Bangalore, die Heimat von Pratap und Roopa, die mich beide zum Neujahr einluden. Ich kenne so ziemlich alle öffentlichen Verkehrsmittel in Indien und beschloss daher nach Bangalore per Anhalter zu fahren. Rena brachte mich zur „Chennai Bypass Road“ in Pondicherry, auf der die meisten Lastwagen Richtung Bangalore fuhren. Nach ungefähr 10 min hielt ein Lastwagen an und ich stieg durch eine kleine Tür in die Fahrerkabine ein Der Fahrer hieß Mutu und war Vater von zwei Söhnen, die mit ihm durch das Land fahren. Ich saß über dem Motor und wurde mit extrem lauter, tamilischer Musik bestrahlt. Einer der Söhne musste immer aus dem Beifahrerfenster schauen und Zeichen an die anderen Verkehrschaoten bzw. den Fahrer selber geben. Damit die Kommunikation ziwschen dem Vater (gleichzeitig auch der Fahrer) und dem Sohn (der Beifahrer) klappen konnte, befand sich über dem Fahrersitz eine Leiste mit sechs Lichtschaltern, wovon einer das Radio an- und ausschaltete. Ich wurde während der zweistündigen Fahrt also nicht konstant mit Musik bestrahlt, sondern wurde mit schreihaften Zurufen, da sie alle taub zu sein schienen, aus meiner Trance geholt. Neben diesen akustischen Wahrnehmungen spürte ich jede Unebenheit der Straße an meinem Arsch. Auch wenn die Straße eben zu sein schien, wackelte die Fahrerkabine konstant die ganze Fahrt hindurch. Richtige Unebenheiten, auch Schlaglöcher genannt, rüttelten mich kräftig durch. Ich kam mir vor als wenn ich auf einer Schleudermaschine mit Unwucht säße.
Mutu setzte mich 2 km vor Tindivanam ab und nahm nur sehr unwillig die 10 Rs (20ct) an, die ich ihm für seine Hilfe gab. Ich lief nach Tindivanam rein und hielt Ausschau nach einer Mitfahrgelegenheit. Leider gestaltete sich die Weiterfahrt als nicht so einfach wie der Beginn meiner neuen Transporterfahrungen. Mit dem Einsetzen der Dämmerung nach ca. 5km Fußmarsch hielt ich meinen Daumen auch für Linienbusse raus und nahm einen Linienbus nach Thiruvannamalai, um dort in den Nachtbus nach Bangalore einzusteigen. Ich möchte noch anmerken, dass der Fußmarsch sehr schön war, da ich die Langsamkeit des Laufens und den damit verbundenen näheren Kontakt zu den Menschen, sehr genoß. Ausnahmslos waren alle Menschen sehr verwundert mich trampen zu sehen und reagierten mit freundlicher Neugier und Interesse. Ich kam gegen 2 Uhr Nachts in Bangalore an und konnte zum Glück Pratap erreichen, der mich auch prompt vom Busbahnhof abholte.
Ich bin immer noch überwältigt von der indischen Gastfreundlichkeit, die ich hier durch alle Schichten bzw Kasten erfahre. Selbstlose Hilfe erfahre ich, egal, ob es der fremde Truckfahrer oder meine Brahminfreunde sind. Danke Indien :-)!
Posted by bizillianer at 08:26 0 comments
Monday, 31 December 2007
Weihnachten im Warmen
Weihnachten im Jahr 2007 ist sonnig, warm und so unweihnachtlich wie es nur sein könnte. Es fühlt sich ganz seltsam an weit weg im feuchtwarmen Klima die Weihnachtstage zu verbringen. Irgendwie ist es auch ein gutes Gefühl, ohne Weihnachtsstress, Konsumrausch und außerirdischer Beleuchtung durch das grüne Auroville zu fahren.
Der Vollmond ist hier genau auf den 24. gefallen und schuf eine wunderbare Atmosphäre. Ich saß um 6 Uhr Abends am Strand, hörte die WEllen rauschen, spürte feuchtsalzigen Wind auf meiner Haut und sah zum ersten mal bewußt einen fantastischen Mondaufgang. Der Mond stieg in glühendem Rot aus dem Meer und verwandelte sich langsam in die gelbe Scheibe mit Kratern, die wir normalerweiser beobachten können. Ich verstehe jetzt auch viel besser, wie Photographien von roten Sonnen in Dunkelheit geschossen werden, ohne dass sie am Computer bearbeitet wurden. Es ist einfach keine Sonnenaufgang oder Untergang, sondern ein Vollmondaufgang.
Meine Bescherrung fand dieses Jahr dann auch mit Rena am Strand statt. Wir saßen gemeinsam am Strand und bescherrten uns gegenseitig. Es war ein sehr schöner und bedächtiger Moment, der mir stark in Erinnerung bleiben wird.
Am Abend hatten wir das Gemeinschaftsessen im Besucherzentrum gebucht, dass durch sehr weihnachtliche Atmosphäre angepriesen und beworben wurde. In Realität war es mehr ein Weihnachtskampf, als ein besinnliches Gemeinschaftsmahl. Es gab nicht genügend Tische und Stühle, weshalb jeder zu den Tischen hetzte, um einen Platz für sich bzw. für die ganze Familie zu reservieren. Die nächste Schlacht war das Ergattern der Essensmarken, um dann letztendlich mittelmäßig, laufwarmes und auf kleine Mägen konzipiertes Essen vor den Latz gesetzt zu bekommen. Es war nicht meine erhöhte Erwartungshaltung für normalerweise delikates Weihnachtsessen, sondern leider wirklich die schlechte Zubereitung. Natürlich war es auch kein richtiges Restaurant, obwohl die Preise für indische Verhältnisse schon ein gehobeneres Restaurant vermuten ließen, sondern eine Selbstbedienungsessensausgabe, was den Vergleich zur Mensa, sowohl in Qualität, als auch in Quantität nicht abwägig erscheinen lässt. Wir aßen alle in sehr gestresster Atmosphäre und die Spannungen lösten sich erst, als wir Guitarre spielten und in kleiner Runde sangen. Pratap und Abishek, zwei indische Freunde, waren zu Besuch und brachten zum Glück ihre Klampfe mit.
Je später der Abend wurde, desto besser wurde die Stimmung. In der Nacht fuhren wir dach Fertile, einer sehr naturverbunden lebenden Kommune mitten im Wald. Es war ein schöner Ausklang des heiligen Abends am Feuer zu sitzen, Käsekuchen zu essen und am Feuer zu dösen.
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Wednesday, 12 December 2007
Ein Tag in Auroville
Letztes Wochenende war ich auf einer indischen Hochzeit in Chennai, auf die mich Pratap einlud. Es war ein sehr interessantes, tielweise aber langatmiges Erlebnis, das mein Bild von Indien weiter formte. Es waren nur Rena und ich zwischen einer Masse indischer Hochzeitsgäste, die sehr geduldig auf ihren Stühlen die Zeremonien verfolgten und eigentlich nur zu den Mahlzeiten sich zur „Kantine“ bewegten, um dort das Essen hineinzuschaufeln. Auf den langen Bänken waren Bananenblätter als Teller ausgelegt, auf denen die zahlreichen Kellner das Essen aus Eimern vor die Gäste schaufelten. Es war eine große Massenabfertigung der geladenen Gäste, wobei dies aber mit einer sehr großen Aufmerksamkeit geschah. Sobald das Bananenblatt sich dem Ende neigte, wurde sofort aufgefüllt. Es war erstaunlich zu beobachten wie schnell meine Tischnachbarn ihre Bananenblätter leerten und ich konnte verschiedene Handessenstechniken analysisieren. Einige schoben das Essen sehr elegant mit dem Daumen in den Mund, andere wiederrum aßen extrem schnell weil sie die ganze Hand in den Mund schoben. Alles in allem war das Essen geschmacklich sehr gut, aber die Essensatmosphäre ziemlich gestresst.
Die Heirat war zwischen einer Cousine und einem Cousin, was keine Besonderheit im Kreise der Brahmin ist, da diese nur einen Bruchteil der indischen Gesamtbevölkerung stellen. Mir wurde hier noch stärker bewusst, wie stark das Kastensystem noch in Indien präsent ist. Pratap hat mir von ein paar Hochzeiten erzählt, die nicht innerhalb der gleichen Kaste waren und welche Komplikationen dies mit sich bringt. Es ist immernoch inakzeptabel jemanden aus einer anderen Kaste zu heiraten. Der Druck kommt nicht nur aus eigenen Familie, sondern auch sehr stark von den entfernten Verwandten und Nachbarn. Als Folge brechen diese sogar den Kontakt zu Familie ab und erscheinen natürlich auch nicht zur Hochzeit. Fremdkastenhochzeiten sind dementsprechend sehr klein und weniger prunkvoll. Im Kontest der Bedeutung der Famlilie hier in Indien, ist es extrem hart für das Hochzeitspaar ohne den Familienrückhalt zu leben und zu überleben.
Die Hochzeit in Chennai gab mir weider ein bißchen Distanz um über Auroville und mich zu reflektieren. Solange ich in Auroville bin, lebe ich ein sehr schönes „Altagsleben“, das sehr stark im Kontrast zum Reisen und seinen Eindrücken steht. Ihr habt sicherlich schon bemerkt, dass ich hier weniger blogge. Dies liegt vor allem daran, dass es mir schwer fällt Zeit zum Schreiben zu finden, obwohl ich mich stationär an einem Ort befinde. Ich finde es selber setlsam, dass ich mehr Zeit zum Schreiben finde, wenn ich reise, aber nicht, wenn ich einen halbwegs geregelten Tagesablauf habe. Vielleicht schreibe ich euch mal, wie so ein typischer Auroville Tag bei mir aussieht.
Ich gewöhne mich langsam daran früh aufzustehen und morgens um 7 Uhr zum Yoga zu fahren. Nach 1 ½ Stunden Yoga fühle ich mich äußerst entspannt und bin positiv für den Tag gestimmt. Ein ausgedehntes Frühstück, dass dekadenterweise aus Schokoladencroissants und frischer Annanas besteht, versetzt dann auch meinen Gaumen in Freude. Mein „Arbeitstag“ beginnt so gegen 10 Uhr und bestand die letzten Tage aus Mauern, Kabel verlegen und Telefonieren. Ich mache eigentlich alle Arbeiten, die so anfallen und mir möglich sind zu lösen. Das Youth Center war in den letzten Wochen eine Baustelle, da das Haupthaus erneuert werden musste.
Ach ja, das spannendste war eigentlich die Reinigung des Wasserturms, da sich darin eine Rate verirrt hatte und krepiert ist, wei lsie nicht mehr rauskam. Wir kletterten also einen Baum hoch um auf den Wassertank zu kommen. In luftiger Höhe stiegen wir in den abartig stinkenden Tank und reinigten diesen von Innen. Nach dem Reinigen stand ich einer ätzenden Luftwolke, da wir den Tank desinfizieren mussten. Es war eien ausgesprochen befreiendes Gefühl wieder aus dem Tank zu steigen und frische Luft zu atmen.
Gegen 12:30 Uhr gibt es dann Mittag, dass ich meist in der Solarkitchen zu mir nehme. Wieder zurück im Youth Center werkel ich dann noch bis 5 Uhr rum, wobei wir hier mindestens zwei Teepauseneinlegen, um den Chai von der Amma (Haushälternin) genüsslich zu schlürfen.
An zwei Tagen der Woche fahre ich zur Schule um Capoeira zu unterrichten und trainiere am Abend noch in der regulären Klasse, die sehr anspruchsvoll geworden ist, da ein neuer Trainer gekommen ist.
Jeden Dienstag koche ich jetzt vietnamesisch für ca. 20 Personen, was schon eine Herausforderung ist, da es gut schmecken soll und mindestens die Kosten decken muss. Das Essen ist prinzipiell für alle offen und quasi kostenlos, jedoch bitten wir um Spenden, da es sonst nicht möglich ist, es dauerhaft anzubieten.
Bisher war Auroville sehr weitläufig und ruhig, jedoch bemerk ich seit einer Woche, dass der Verkehr zunimmt und wesentlich mehr fremde Gesichter mir begegnen. Die Monsunzeit ist hier fast vorbei und die Touristensaison startet. Dies wird ganz stark sichtbar an den Geschäften, die wie Pilze aus dem Boden sprießen, und der Ansammlung von Rikschafahrern, die nach frischen Touristen lechsen. Ich verstehe sehr gut, warum Aurovillianer sehr reserviert sind, da ich eine gewisse Antipathi gegen das Touristenphänomen entwickle, obwohl ich hier erst 2 Monate bin.
Ist es ein menschlicher Charakterzug, wenn es diesen überhaupt gibt, sich gegen neue Impulse wehren zu wollen, im Streben seine kleine Welt vor Veränderung zu schützen? Für mich ist es ein aktiver Prozess und eine bewusste Entscheidung mich diesen Impulsen zu öffnen und mich wirklich darauf einzulassen.
Posted by bizillianer at 00:12 9 comments
